Mittwoch, 15. Juni 2011

Fotos

 Das Panorama von dem Gebetsgipfel
eine kleine Dorfschule. Morgen werde ich hier Kreide und Tafeln abliefern

Das ländliche Indien

Heute (Mittwoch) ist Katinka los, um in einem Dorf Daten für die NGO zu sammeln. Eigentlich sollte ich mitkommen, im Auto war aber kein Platz mehr. Ich war also erstmal alleine unterwegs. Ich bin abseits der großen Straße über kleine Feldwege auf den Terrassen der Berge 4 Stunden gewandert und dann mit dem Sammel Jeep zurück gefahren.
Nach gut einer halbe Stunde erreichte ich ein kleines Dorf namens Almora. Dort habe ich eine einmalige Erfahrung gemacht. Ein älterer Herr kam zu mir und hat mir zu verstehen gegeben ihm zu folgen. Er hat mir sein Dorf und sein Haus gezeigt und wir haben uns mit Händen und Füßen unterhalen. Almora ist ein sehr armes Dorf. Die Menschen leben von der Landarbeit und stellen alles was sie brauchen selber her. An jedem Haus an dem wir vorbeikamen bin ich vorgestellt worden und ich musste die Leute fotografieren, was ich natürlich gerne gemacht habe. Die Leute haben sich ehrlich und herzhaft gefreut, als ich ihnen die Fotos gezeigt habe. Am Haus von Ramesh Ran habe ich Chai und Kekse bekommen. Ramesh hat seine ganze Familie zusammengetrommelt und sogar jemanden gefunden der ein paar brocken Englisch spricht.
Das eigentliche Highlight meines Tages war aber der Besuch in der kleinen Dorfschule. Zwei Lehrerinnen unterrichten dort 10 Mädchen und Jungen zwischen 5 und 12 Jahren. Sofort haben sich alle auf mich gestürzt und ich haben allen die High Five bei gebracht. Danach hieß es aufstellen zum Gruppenfoto. Ein kleines Mädchen hat sich meine Kamera genommen und ich habe ihr gezeigt, wie sie fotografieren kann. Alle hatten viel Spaß. Dann musste ich aber weiter - ich wollte den Unterricht nicht weiter stören.
Morgen möchte ich wieder in das Dorf. Dann werde ich einige entwickelte Fotos, Malstifte, einen Ball und Kreide im Gepäck haben!
Auf meiner Wanderung bin ich dann noch zu einer Gebetsstätte auf einem Berggipfel gekommen. Von dort hatte ich einen unglaublichen 360° Blick über die Region. Zum Glück konnte ich auch die dunklen Wolken sehen die angerollt kamen. Schnell bin ich 30min im Laufschritt zurück in das Dorf und dann mit dem Sammeljeep zum Haus, in dem ich mit Katinka wohne. 10 Minuten später fing das Unwetter an, ein richtiger Regen! Katinka ist noch unterwegs, ich habe ihr schonmal ein Handtuch hingelegt...
Leider erlaubt mir die Internetverbindung hier nicht so viele Fotos hochzuladen, sobald ich ein Internet Cafe gefunden habe, hole ich das nach.
Nachmittags: Ich war noch in Ranikhet um Spielzeug, Tafeln, Kreide, Papier usw. zu kaufen. Einiges davon bringe ich morgen in das Dorf. Den Rest nehme ich am Freitag mit nach Bhimtal. In Bhimtal wohnt ein kleiner Junge, den Katinka, meine Eltern und ich unterstützen.
Wenn nun jemand auf die Idee kommen sollte, in Indien auch helfen zu wollen, der kann sich gerne bei den SOS Kinderdörfern informieren. Oder ich kann euch anbieten, für 1 bis 3 Euro hier vor Ort Spielzeug oder ähnliches zu kaufen und direkt zu verteilen.Schreibt mir einfach eine Mail.
in dem Dorf...
Namaste und schöne Grüße aus Indien auch von mir. 

Weil schon viele nach meiner Arbeit gefragt haben, also ein kleiner Bericht über das, was ich hier eigentlich mache: 
Ich mache grad mein Praktikum für zwei Monate im Bereich Entwicklungshilfe bei der Nichtregierungsorganisation (NGO) 'Grassroots' und sitze in Ranikhet, Uttarakhand. Die Stadt liegt schon im Himalaja Massiv auf gut 1500 bis 2000m Höhe. Diese NGO beschäftigt sich mit Entwicklung in Bergregionen und hat einen sehr weit gefassten Aufgabenbereich. Zum einen beschäftigen sie sich mit Wasserversorgung in Form von Trinkwasserbrunnen und sanitären Einrichtungen, zum anderen mit Biogasanlagen und Renaturierung der Wälder. Ein weiterer Bereich ist wirtschaftliche Entwicklung für Frauen, die in dieser Gegend mit einer ausgesprochen patriarchalischen Gesellschaft zu kämpfen haben. Zu dieser Entwicklung gehören sog. Selbsthilfegruppen, in denen zunächst gemeinschaftlich gespart wird, um Kredite an Mitglieder zu sehr geringen Zinssätzen zu verteilen. Darüber hinaus treffen sich die Frauen und reden über ihre Situation zu Hause und ihre Arbeit. Im Idealfall können diese Frauen als Gruppe Verbesserungsvorschläge formulieren, z.B. zum Thema Alkohol, Familienplanung, häusliche Gewalt, etc. und diese dann in Dörfern diskutieren und umsetzen. Es hängt aber leider von den jeweiligen Gruppen ab, wie weit die Gespräche und Forderungen gehen. Dann wird in diesen Gruppen auch gearbeitet: entweder gestrickt oder in der Landwirtschaft, z.B. der Anbau von Früchten und Gemüse. Diese Produkte werden dann im 'Umang Shop' verkauft und der gesamte Erlös wieder an die Frauen zurückgegeben. Dieser Erlös schafft eine ständige Einnahmequelle für Frauen und so können viele der Mitglieder ein besseres Haus, Hochzeiten und Privatschulen für die Kinder bezahlen. 

Meine Arbeit besteht zum einen darin, Interviews mit Frauen über ihre Arbeit und die Veränderungen, die diese Arbeit für sie gebracht hat, zu führen. Mit der Analyse kann die NGO dann sehen, wo Verbesserungen angebracht sind. Dann werde ich mich noch um die Selbsthilfegruppen an sich kümmern und Daten zu der wirtschaftlichen Entwicklung auswerten, damit die Arbeit und das Gesamtgehalt der Frauen langfristig erhöht werden kann. 

Ansonsten kann ich von großartigen Essen berichten. Es ist zwar alles vegetarisch, aber Fleisch hab ich noch nicht vermisst. Dafür schmeckt es hier einfach zu lecker! Dann ist die Gastfreundschaft der Menschen immens. Wenn wir in die Dörfer fahren und wissen, dass die Menschen hier sehr wenig Einkommen haben und darüber hinaus noch sehr, sehr hart auf Feldern arbeiten müssen, laden uns die Menschen doch immer gerne auf einen Tee zu sich nach Hause ein. Was etwas gewöhnungsbedürftig ist, sind die Männer und der Verkehr. Die Männer starren Frauen hier generell hinterher und bei Blonden natürlich noch mehr. Und gerade für 'ordnungsgewöhnte' Deutsche ist das Verkehrschaos ziemlich schwierig zu verstehen und ziemlich nervig dank der Hupen. Sogar in einer kleinen Stadt wie Ranikhet ist man froh wieder draußen zu sein, damit man keine Hupen und Autos mehr hört oder sieht. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es erst in den großen Städten wie Delhi, Kolkatta oder Mumbai sein mag... 

Und nicht zu vergessen ist die Umgebung hier: Berge soweit das Auge sieht, Wälder und eine traumhafte Tierwelt. Vor allem sind hier viele Vögel anzutreffen. Heute alleine haben wir hier Adler gesehen, die durch die Täler gekreist sind. Und Insekten gibt es hier unfassbar viele, aber gerade mit Mücken und anderen Insekten, die stechen, ist es sehr gut auszuhalten...

Ich hoffe, dass dieser kleine Einblick euch weiterhilft meine Arbeit und die Arbeit der NGO vor Ort zu verstehen und zu veranschaulichen :) Schöne Grüße und bis bald, Katinka

P.S.: mein Versuch Hindi zu lernen ist bis jetzt einfach nur gescheiter... :D





Dienstag, 14. Juni 2011

Endlich bei Katinka!


Nach einem kurzen Frühstück mit frittiertem Teig und Chai bin ich im Sammeltaxi nach Ranikhet gefahren. Taxi hört sich super an: ein Fiat 500 Nachbau besetzt mit 6 ausgewachsenen Männern und Gepäck. Die Straßen hier laden eher zum Trekking ein, als zum Autofahren. Immer wieder muss mein Kopf Kuhhintern ausweichen, die am Fenster, aus dem ich halb hänge vorbeifliegen. Ein Ständiges Hupen begleitet den Flug durch die Landschaft. Vor jedem Überholmanöver, jeder Kurve, bei jedem Fußgänger oder wenn es grade passt wird in Indien gehupt. In den Dörfern ist es fast erträglich, in Delhi nicht auszuhalten.
Nach 3 Stunden Taxifahrt und 200 Rupien (3,20 euro) leichter hat mich dann Katinka völlig entgeistert angeschaut, ehe sie sich freuen konnte.
Ihre Kollegen haben sie danach mehrmals aus dem Büro geschmissen und ihr klar gemacht, dass sie den Tag frei nehmen soll. Ich musste natürlich erzählen, wie meine Reise war, wie ich hergekommen bin und wie ich die Umgebung finde.
Die Umgebung ist atemberaubend: Man guckt auf Indiens höchsten Berg (Nanda Dewi) und riesige Ackerbau Terassen. Leider ist Ranikhet nicht so ein verschlafendes Nest, sondern ein Touristen Hotspot für indische Stadtflüchtlinge. Außerdem ist hier das indische Spezial Militär beheimatet. Die Maneaters und die Headhunters: The more we swet in Peace, the less we bleed in War. Alles klar?
Katinka und ich haben den Tag genutzt um in Ranikhet zu shoppen und zu essen. Die indische Straßenküche kommt fast an die in Malaysia ran! Es gibt hier auch ein tolles Tee Haus mit Verande und Blick auf die Adler, die über dem Tal kreisen. Man sitzt am Ende der Welt und lässt die Zeit bei Choko Shake und Muffins verstreichen während man das Himalaya Panorama und die Wunder der Natur genießt. Das ist wirklich eine schöne Entschädigung für den Stress in Delhi. Wobei ich mitlerweile auch davon ausgehe, dass ich einfach nur in der falschen Ecke der Stadt war.
Nach unserem Spaziergang habe ich ein bisschen Schlaf nachgeholt und Katinka hat einen Artikel über ihre Arbeit hier geschrieben, den ich bald einstellen werde!

Es geht steil bergauf


Montag abend bin ich um 22.40 mit dem Zug von Old Dehli Station nach Kathgodam gefahren.
Zugfahren in Indien ist der Hammer. Auf dem Bahnhof waren ungefähr 10000 Leute. Man kam nur mit sehr grobem Schieben vorwärts. Eine große Verstopfung und mitten drin Mütter mit Kindern auf dem Arm und Koffern auf dem Kopf, Ziegen, Hühner, Hunde und Männer die stehenbleiben um mich erstmal zu begutachten.
Ich hatte sehr viel Zeit mir das Treiben anzuschauen und habe sehr schnell gemekrt, dass die Indien Railway ein Ticket für einen Platz gerne auf mehrfach verkauft. Darauf hin habe ich mir eine Strategie zurecht gelegt um an meinen Platz zu kommen, habe diese über den Haufen geschmissen als der Zug eingefahren ist, bin auf den fahrenden Zug aufgesprungen, zu meinem Platz gehechtet und habe schon geschlafen, als die anderen Reisenden ins Abteil kamen. Ich habe die Sleeper Klasse gebucht und habe auf einer Pritsche gut schlafen können. Zwei weitere unverzichtbare Gegenstände für jeden Reisenden: Schlafbrille und Ohropax, das ist zusammen mit dem Klopapier der wahre Luxus meiner Reise!
Am Morgen bin ich aufgewacht und hatte grade noch genug Zeit um mir die Zähne im Zug zu putzen, ehe wir gegen halb sechs Uhr in Kathgodam eintrafen.
Leider ist das Internet zu langsam für mehr Fotos. Bald gibts mehr.

Sonntag, 12. Juni 2011

Oh Gott - Ich will hier wieder weg!

Das war was ich die letzten 4 Stunden gedacht habe.
Mit meinem Aufenthalt in Berlin und dem Flug will ich mich gar nicht weiter aufhalten. Ich fange mal mit der Ankunft an:
Ich bin vom Flughafen mit einem Inder, einem Nepalesi und 2 Spaniern los.
Der Inder hat alles geregelt, sass auch mit mir im Flugzeug. Spaeter sind wir getrennt worden und sind voll in die Touriabzocke reingestolpert. Stories von "keine Hotels mehr", "keine Zugtickets mehr" und das "offizielle Buero ist geschlossen" mussten wir uns anhoeren. Haben also heute Nacht kein Hotel gefunden und sind jetzt immernoch auf den Beinen.
Aus dem Bus habe ich Delhi aufwachen sehen. Da sind wir grade durch den "Speckmantel"von Delhi gefahren, die Slums - Vorohrte. Warum muessen kleine Kinder hier an der Autobahn den Muell sammeln? Warum haben all diese Leute kein zu Hause?
Highlight der Busfahrt war die Tankpause unterwegs: Alle Leute raus. 15 Minuten warten und dann wieder in den getankten Bus.
Jetzt ist aber seit ca. 1 Stunde wieder alles gut und wir koennen anfangen uns um Indien zu kuemmern:
Ich habe mein Zugticket nach Kathgodam und die beiden Spanier haben auch eins - irgendwo nach Norden.
Ein unglaubliches, unglaubliches, unglaubliches Land. Leider falle ich schon wieder zu schnell in die Vorurteilsschiene: Leute die mich fragen, wo ich hinwill versuche ich zu ignorieren. Staendig werde ich angesprochen, fast jeder spricht 2 Brocken Deutsch hier. Aber die meisten wollten bislang wirklich nur helfen. Ein TukTukfahrer hat uns sogar nicht mitgenommen, weil er meinte, dass wir das Stueck besser laufen sollen.
Eine TukTuk fahrt mit 3 Leuten, und Reisgepaeck ist sehr heikel. Das TukTuk droht staendig umzukippen und der Fahrer scheint seine eigenen Rekorde in waghalsigen Manovern brechen zu wollen.
Den Nepalesi will ich auf jeden Fall in Kathmandu besuchen, habe seine Telefonnummer und Mailadresse.
Morgen gehts aber erstmal nach Kathgodam. Richtung Katinka. Das ist eine Zugfahrt von 7 Stunden und kostet circa 2,5 Euro. Ich habe ein Schlafabteil im Nachtzug erwischt, geht um 22.50 an der Old Delhi Station los. Zugfahren in Indien - ein Traum wird war. Der Bahnhof verspricht jedenfalls viel Abenteuer!
Gegen 6 Uhr werde ich mein Ziel erreichen und mich dann mit dem Jeep weiter Richtung Nainital machen, von wo aus es die naechsten Tage dann nach Ranikhet - zu Katinka - geht.
Fotos habe ich leider noch keine machen koennen, habe die ganze Zeit den Rucksack dabei und moechte mich nicht zusaetzlich auf die Kamera konzentrieren muessen.
Werden aber nachgereicht! 

Mittwoch, 8. Juni 2011

Richtung Osten

Seit heute muss ich nicht mehr Arbeiten. Die Zeit nutze ich um die letzten Vorbereitungen für Indien zu treffen. Ich habe angefangen Sachen zu sortieren die mit müssen und sortiere immer wieder aus. Bis nur noch das nötigste dabei ist. Ganz besonders wichtig sind mir Klopapier und die richtigen Schuhe. Da wo ich hin will gibt es beides nicht zu kaufen und es steigert den persönlichen Komfort enorm.
Samstag morgen geht es mit Frank und seiner Frau, einer Mitfahrgelegenheit, nach Berlin. Eine Nacht im Ostel und Sonntag morgen zum Flughafen Schönefeld. 18 Stunden später Landung in Delhi und Hotelsuche, ankommen und eintauchen in die Kultur.
Ich freue mich.
Hier ein Foto von Katinka. Sie ist momentan in Ranikhet, Uttarakhand, Indien. Das Bild zeigt den Blick aus ihrem Zimmer. Die Berge sind ca. 7000m hoch. Es handelt sich um das Himalaya Massiv.